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Sans Auline Avec Auline

Sunset in Helsinki

El Teide

EL TEIDE and other works for wind instruments by Mat Clasen EL TEIDE und andere Werke für Holzblasinstrumente von Mat Clasen
a review by Chris Jarrett eine Rezension von Chris Jarrett

El Teide is a volcano on the island of Ternerife of the Canary Islands. Here, the demonic dog-figure Guayota has been imprisoned. Inside, he lurks unable to damage the outside world unless an eruption occurs. The Guanche inhabitants built bonfires around the volcano to scare him back inside during such periods.

Ensemble Elementar’s recording of the composition „El Teide“ by Mat Clasen for alto sax, fluegelhorn, flute and bass clarinet shows no signs of mysticism and seems quite unconcerned with the demonic and explosive forces the volcano could have inspired. Instead, we are dealing with a very relaxed and at the same time ambitious music that lives much more through its more abstract musicality than through picture-painting or tone-poem style imagery.If you ask me, the 4 movement structure and the polyphonic sophistication especially of the first movement would merit the simple classical title „Quartet for Winds.“ Darius Milhaud – the great French 20th Century composer – wrote many „Little Symphonies,“ for instance, which, even if they are much more complex, fall very easily into a category at least close to this music. Even Paul Hindemith was adept to writing smaller, often humorous works, which contained strong elements of music for „entertainment“ but at the same time revealed great artistic craftsmanship. Even closer to the language of these composers, however, the music of „El Teide“ is akin to that of Alec Wilder (1907-1980), who was friends with and composed for many of the old garde of jazz singers, most notably Frank Sinatra and Peggy Lee. He composed, as well, a wide range of compositions especially for wind instruments which would be called „crossover“ music today. His love for the cozy, but well-put-together seems to have been rediscovered by Mat Clasen – at least the choice of sounds and the general very „cool“ atmosphere of this music plus the secure sense of form reminds me very much of Wilder. (Or, better, an Alec Wilder with a touch of Gigi Gryce and Donald Byrd.)

But is this music actually modern? There are no new harmonic discoveries and the use of some asymmetric rhythms in the 3rd and 4th movements is nothing unusual. What gives it a touch of the present-day, however, is just the very sovereignty of the playing and the feeling of utter „chill“ to be heard throughout the 4 movements. The third movement (which resembles a slow „Scherzo“) has some elements of „minimal music,“ but here there was a slight danger of slipping from „relaxed“ into „boring.“ The fine polyphonic constructions of the first movement are the most impressive moments as to the craftsmanship of the composition, but the lack of showiness and utter stability of the playing (Natascha Protze, bassclarinet, Guiomar Espineira, flute, Michael Langkamp, fluegelhorn, Mat Clasen, alto sax) – no loss of nerves, no sense of „message-sending“ and a complete Paul Desmond-like coolness – allow the listener to feel very laid-back in his smug, intelligent listening role. There is a careful balance between the mathematical and the sensual in this music – „expressivity“ would not describe it. We are listening to music of the „Classic“ mode, much more Apollonian and less Dyonesian, nonetheless appealing and simply well structured and damned well performed.
The listener should approach this music as if it were a string quartet, not performed in courtly company, but for the not unrelated society of modern insiders who know how to discern quality. I liked it and believe this kind of music should play an important role in the music scene today- even if my music is so much different.

El Teide ist ein Vulkan auf der Insel Teneriffa, die zu den Kanaren gehört. Hier wird die dämonische Hunde-Gestalt Guayote gefangen gehalten. Dort innen lauert er, nicht fähig, der Außenwelt zu schaden, es sei denn, der Vulkan bricht aus. Die Ureinwohner, die Guanchen, errichteten während solcher Perioden Feuer rund um den Vulkan, um Guayote wieder hineinzuscheuchen.Die Aufnahme des „Ensemble Elementar“ der Komposition „El Teide“ von Mat Clasen für Altsaxophon, Flügelhorn, Flöte und Bassklarinette trägt keine Anzeichen von Mystizismus und erscheint recht unbekümmert von den dämonischen und explosiven Kräften, die der Vulkan hätte inspirieren können. Stattdessen haben wir es mit einer sehr entspannten und gleichzeitig ambitionierten Musik zu tun, die viel mehr durch ihre abstrakte Musikalität als durch bildmalerische Metaphorik oder solche im Stil von Ton-Dichtungen lebt.

Wenn Sie mich fragen, würden der Vier-Sätze-Aufbau und die polyphone Raffinesse insbesondere des ersten Satzes den schlichten klassischen Titel „Quartett für Blasinstrumente“ verdienen. Darius Milhaud – der große französische Komponist des zwanzigsten Jahrhunderts – schrieb zum Beispiel viele „Kleine Symphonien“, die, wenn sie auch viel komplexer sind, sehr leicht in eine dieser Musik zumindest sehr nahen Kategorie fallen. Selbst Paul Hindemith war erfahren darin, kleinere, oft heitere Werke zu schreiben, die starke Elemente von Musik zur „Unterhaltung “ enthielten, aber gleichzeitig bedeutende künstlerische Handwerkskunst verrieten.
Noch näher als mit der Sprache dieser beiden Komponisten ist aber die Musik „El Teide“ verwandt mit der von Alec Wilder (1907 – 1980), der mit vielen der alten Garde von Jazzsängern befreundet war und für sie komponierte, am bemerkenswertesten Frank Sinatra und Peggy Lee. Er komponierte außerdem ein weites Spektrum an Kompositionen speziell für Blasinstrumente, die man heutzutage „Crossover“-Musik nennen würde. Seine Liebe zum Behaglichen, aber Wohlkonstruierten scheint von Mat Clasen wiederentdeckt worden zu sein – zumindest die Auswahl von Klängen und die generell sehr „coole“ Atmosphäre seiner Musik, gepaart mit dem sicheren Sinn für Form, erinnern mich sehr an Wilder. (Oder, besser gesagt, einen Alec Wilder mit einem Hauch von Gigi Gryce und Donald Byrd.)

Ist diese Musik aber eigentlich modern? Es gibt keine neuen harmonischen Entdeckungen und die Nutzung von einigen asymmetrischen Rhythmen im dritten und vierten Satz ist nichts Ungewöhnliches. Was ihr dennoch einen Anflug des Heutigen verleiht, ist einfach die bloße Souveränität des Spiels und das Gefühl von größtmöglicher Gelassenheit , das durch die vier Sätze hindurch zu hören ist. Der dritte Satz (der einem langsamen „Scherzo“ ähnelt) hat einige Elemente von „Minimal Music“, hier gab es allerdings eine leichte Gefahr, von „entspannt“ zu „langweilig“ hinüberzugleiten. Die feinen polyphonen Gebilde des ersten Satzes sind die beeindruckendsten Momente, was die Kunstfertigkeit der Komposition betrifft, aber der Verzicht auf Protzerei und die vollkommene Beständigkeit im Spiel (Natascha Protze, Bassklarinette, Guiomar Espineira, Flöte, Michael Langkamp, Flügelhorn, Mat Clasen, Altsaxophon) – kein Verlieren der Nerven, kein Gefühl von „Botschaft-Vermitteln“ und eine totale, Paul Desmond – artige Coolness – erlauben es dem Zuhörer, sich sehr laid-back zu fühlen in seiner selbstzufriedenen, intelligenten Zuhörer-Rolle. Es gibt eine sorgsame Balance in dieser Musik zwischen dem Mathematischen und dem Sinnlichen – „Ausdrucksstärke“ trifft es nicht ganz. Wir hören hier Musik der „klassischen“ Art, viel mehr apollinisch als dionysisch, aber dennoch reizvoll und einfach wohlstrukturiert und verdammt gut dargeboten.
Der Zuhörer sollte an diese Musik herangehen, als wäre sie ein Streichquartett, nicht in vornehmer Gesellschaft vorgetragen, sondern für die dieser nicht unverwandten Gesellschaft moderner Insider, die Qualität zu erkennen wissen. Mir gefiel sie und ich glaube, diese Art von Musik sollte eine wichtige Rolle in der heutigen Musikszene spielen – selbst wenn meine Musik so ganz anders ist.

Übersetzung von Regy Clasen

 

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Petit Dejeuner d’une Cigogne triste